Nehmen uns Roboter die Jobs weg?

Bevor ich den Abschlussbericht mit den Ergebnissen der aktuellen New Digital Skills Initiative liefere, möchte ich mich zuvor noch einem seit Jahren zu Recht intensiv diskutierten Thema widmen, dem Substituierungspotenzial von Arbeit durch zunehmende Digitalisierung.

Substituierung von Arbeit. Schön komplizierter Begriff. Stammt ohne Überraschung aus der Forschung und leitet die Frage des heutigen Beitrages ein: Wird die fortschreitende Digitalisierung dazu führen, dass Menschen ihr Arbeit verlieren und durch Maschinen ersetzt werden?

Mal so formuliert, wie es viele empfinden: Nehmen uns Roboter die Jobs weg?

Das ist keine neue Frage. Maschinen, die Jobs übernehmen, die früher wir Menschen gemacht haben, gibt es nicht erst seit der Jahrtausendwende. Wir denken an Maschinen, die uns bereits in der Vergangenheit von körperlich schwerer, monotoner und gefährlicher Arbeit befreit haben. Auch da war immer die Befürchtung vorhanden, dass sie uns für immer ersetzen und vom Arbeitsmarkt verdrängen können. Bisher war es allerdings immer so, dass neue Maschinen mehr Arbeitsplätze geschaffen, als verdrängt haben.

Was neu ist, ist die Geschwindigkeit, mit der Digitalisierung und damit auch das Substituierungspotenzial voranschreitet. Die Geschwindigkeit, mit der Maschinen Tätigkeiten übernehmen, von denen wir bis vor Kurzem noch der Meinung waren, dass sie ausschließlich von Menschen erledigt werden können wie das Handeln an der Börse, das Erstellen von komplexen, medizinischen Diagnosen oder das Verfassen von Verträgen und Gesetzestexten. Da uns das alles ein wenig Angst macht, intensiviert sich seit einigen Jahren wieder die Befürchtung, dass wir bald am Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht werden können. Zu Recht?

„47% aller Jobs fallen weg!“

Mit ein Auslöser für die hitzigen Diskussionen zu diesem Thema war eine sehr populäre Studie aus den USA von Carl Benedikt Frey and Michael A. Osborne aus dem Jahr 2013: THE FUTURE OF EMPLOYMENT: HOW SUSCEPTIBLE ARE JOBS TO COMPUTERISATION?

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass (ausgehend von 2013) in zehn bis zwanzig Jahren fast die Hälfte der Beschäftigten in den USA durch computergesteuerte Maschinen ersetzt werden können.

Die Studie wurde vielfach zitiert und auch als Basis für Prognosen in Österreich und Deutschland herangezogen. Ausgehend von Frey & Osborne stellten einige Studien ihre eigenen Ergebnisse bezüglich Substituierungspotenziale vor, siehe zum Beispiel Nagl, Titelbach & Valkova (2017) für Österreich und Dengler & Matthes (2015) für Deutschland.

Es gibt einige Argumente, die gegen eine so starke Automatisierungswahrscheinlichkeit in Österreich und Deutschland sprechen, wie sie für die USA vorausgesagt wurden:

  • Die Ersetzbarkeit von Jobs hängt nicht einzig und allein von der technischen Machbarkeit ab
  • Die amerikanische Studie bezog sich nur auf Jobs, nicht auf die dahinterliegenden einzelnen Tätigkeiten
  • Die Unterschiede am Arbeitsmarkt und in der Ausbildung wurden bei der Übertragung der Studie von einem Land auf das andere oftmals zu wenig berücksichtigt
  • Die Tätigkeitsprofile der einzelnen Jobs können zwischen den Ländern ebenfalls nicht 1:1 übernommen werden

Vor diesem Hintergrund ermittelten Katharina Dengler und Britta Matthes 2015 das tatsächliche Substituierungspotenzial von Berufen. Kern dieser Studie war es, dass nicht nur ganze Jobprofile bewertet wurden, sondern die einzelnen Tätigkeiten dahinter. Maßgebliche Erkenntnis war es, dass nicht Jobs von Maschinen übernommen werden, sondern Tätigkeiten. Auch Nagl, Titelbach & Valkova (2017) bewerteten das Substituierungspotenzial tätigkeitsbasierend.

Bildung und Weiterbildung als Schlüssel

Bildung zahlt sich aus. Darüber werden wohl die wenigsten streiten. Allerdings bedeutet ein hohes Anforderungsprofil nicht immer gleich ein geringes Automatisierungspotenzial. In der Studie von Dengler & Matthes (2015) werden sie „Helferberufe“ genannt. In diesen Jobs geht es häufig um manuelle Tätigkeiten, die nur schwer in programmierbare Algorithmen übersetzt werden können. So wird festgehalten, dass Helfer- und Fachkraftberufe ein ähnlich hohes Substituierbarkeitspotenzial aufweisen. Erst eine weiterführende oder akademische Ausbildung schützt etwas besser davor, durch Computer potenziell ersetzt werden zu können.

Um das Substituierungsrisiko gering zu halten, wird immer wieder die Bedeutung von Weiterbildung genannt. Es ist wesentlich, den Wissensstand und die Kompetenz auf dem aktuellen technologischen Stand zu halten – sowohl bei Geringqualifizierten als auch bei Fachkräften.

Fazit

Anders als die Studienautoren für den amerikanischen Markt (47%), kommen Katharina Dengler und Britta Matthes zu dem Ergebnis, dass es für etwa 15% der Jobs ein hohes Substituierungspotenzial gibt. Darüber hinaus handelt es sich um einzelne Tätigkeiten, die den neuen Anforderungen entsprechend umgestaltet werden müssen. Das Gesamtfazit lautet also: Jobs verschwinden nicht, sie verändern sich.

Für Österreich definieren die StudienautorInnen Nagl, Titelbach & Valkova (2017), dass 9% der Beschäftigten bzw. 359.121 Beschäftigte in Österreich ein Tätigkeitsprofil aufweisen, welches ein hohes Potential hat, durch Maschinen ersetzt zu werden. Die potenziell am stärksten von der Automatisierung betroffenen Berufsgruppen sind die Hilfsarbeitskräfte, Handwerker/innen, Maschinenbediener/innen und Personen in Dienstleistungsberufen. Im Gegensatz dazu sind Akademiker/innen und Führungskräfte am geringsten betroffen.

Job Futuromat: Könnte ein Roboter meinen Job erledigen?

Ein lustiges Tool möchte ich euch an dieser Stelle noch zeigen, nämlich den Job Futuromat. Hier gibt man einfach mal den eigenen oder andere Jobs ein und lässt sich anzeigen, ob und wie viel Anteil der Tätigkeiten bereits heute von einem Roboter erledigt werden könnten.

Das habe ich spaßeshalber mal mit meinem Job versucht. Social Media Managerin kennt es nicht, daher bin ich auf PR-Managerin ausgewichen. Und, wie sieht es aus mit meinem Job?

Public-Relations-Manager/in

Der Arbeitsalltag dieses Berufs besteht im Wesentlichen aus

5 verschiedenen Tätigkeiten, 2 davon und somit 40% könnten schon heute Roboter übernehmen.

Ergebnis Job Futuromat https://job-futuromat.iab.de/

Puh ja irgendwie muss ich sagen… hört man nicht gern oder? „Du bist ersetzbar!“ So ganz grundsätzlich. 40% von dem, was ich tue, könnte heute bereits auch ein Roboter übernehmen. Die 40% drücken, in Forschungsdeutsch gesprochen, das Substituierbarkeitspotenzial des Berufes aus.

Dann wollte ich natürlich wissen, auf welcher Basis das berechnet wird. Die einzelnen Job-Beschreibungen kann man im BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit nachlesen und überprüfen, ob die Jobtitel dem entsprechen, wonach man gesucht hatte.

Da wird PR-Management beschrieben als „Public-Relations-Manager/innen sind in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Sie erarbeiten geeignete Kommunikationsstrategien und entwickeln Konzepte für das Image von Unternehmen bzw. Organisationen.“ Stimmt schon, allerdings recht oberflächlich. Dass ich den Job selbstständig und nicht als Angestellte ausführe und damit natürlich einige zusätzliche Aufgaben erledige(n kann), habe ich dabei mal ignoriert.

Also wollte ich wissen, wie man von ganzen Jobprofilen auf einzelne Tätigkeiten kommt und diese dann nach ersetzbar oder nicht ersetzbar einteilt. Dafür ließ die Bundesagentur für Arbeit von BerufsexpertInnen die Tätigkeiten auf Basis von Ausbildungsordnungen oder Stellenausschreibungen herausarbeiten. Jetzt müssen wir nur noch wissen, aufgrund welcher Kriterien eine Tätigkeit als ersetzbar definiert wurde. Dafür gibt es eine Studie von Katharina Dengler und Britta Matthes (2015), die auf Basis der technologischen Möglichkeiten genau das für alle 4.000 im Futuromat abrufbaren Jobs gemacht haben.

Die Ergebnisse aus dem Futuromat muss man in der gekürzten Variante natürlich mit Vorsicht genießen, allerdings finde ich die Ergebnisse ganz spannend, vor allem mit Hinblick auf die dahinterliegende Forschung und deren Erkenntnisse. Ich würde mir allerdings eine aktuellere Version wünschen, da sie auf Basis der technologischen Möglichkeiten von 2013 erstellt wurde.

Fazit vom Fazit

Aus meiner Sicht handelt es sich bei der Frage nach Substituierungspotenzialen um ein legitimes Interesse und keineswegs um übertriebene Hysterie. Wir müssen wissen, welche Entwicklungen auf uns zukommen um zu wissen, ob und wo wir Veränderungsprozesse ansetzen sollen. Nach recht eingehender Auseinandersetzung mit den Studien, die ich oben zitiert habe und noch einigen darüber hinaus, möchte ich drei relevante Punkte festhalten, die im Zusammenhang mit der Frage von Ersetzbarkeit durch Maschinen deutlich geworden sind:

  • Wir sollten Tätigkeiten bewerten, nicht Jobs
  • In vielen Fällen geht es um Veränderung, nicht um Verschwinden
  • Bildung und Weiterbildung als Schlüssel zur Minimierung des Substituierungsrisikos

Eine Antwort zu “Nehmen uns Roboter die Jobs weg?”

  1. Hallo, ein tolles Video zum Thema findet man auch unter folgendem Link. Es geht ab ca. Minute 7:20 los. https://www.youtube.com/watch?v=Osa4QZM4LKo – Keynote von Richard David Precht (LAB Worktopia). Auch die anderen Vorträge der Reihe sind sehr zu empfehlen (zB. Christoph Burkhardt). Es geht wohl um viel mehr, als dass gewisse Arbeiten automatisiert werden können. Besten Gruß

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