Workshop 5: New Digital Skills für die Baubranche

Last but not least: Die Branche Bau als Nummer 5 in unserer Reihe an New Digital Skills Workshops. Bei diesem Termin kamen auch einige neue Themen auf, die wir bislang noch nicht gehört hatten. Das merkten wir gleich in der Vorstellungsrunde, als die TeilnehmerInnen kurz ihre ersten Inputs und Erwartungen äußern sollten. Es kam, und das zum ersten Mal: „Digitalisierung wird bei uns später durchschlagen als in anderen Branchen“.

Zur Nachlese findet ihr hier die Berichte zu den Workshops der Branchen Tourismus und Wellness, Handel, Produktion und Büro und Verwaltung.

Mit dabei waren diesmal unter anderem VertreterInnen von Strabag, Fröschl, Bodner Bau, HolzTec, Riederbau und der Bauakademie Tirol.

„Digitalisierung betrifft uns später/anders“

Das hörten wir gleich zu Beginn in der Vorstellungsrunde und wollten es anschließend auch genauer wissen. Warum bzw. im Bezug worauf sind die Teilnehmenden der Meinung, dass die Digitalisierung die Braubranche später, wenig oder anders betrifft?

Niemand wird sich per App einen Rohbau bestellen, dafür sind die Bauvorhaben viel zu individuell.

Die Branche ist sehr divers. Viele der Technologien betreffen nur einen Teil der MitarbeiterInnen, vor allem PolierInnen (=Leiter einer Baustelle) und VorarbeiterInnen, andere erheblich weniger. Der digitale Schalungsbau liegt beispielsweise noch weit in der Zukunft.

Da die Einführung von neuen digitalen Möglichkeiten in der Baubranche oft länger dauert aufgrund der Komplexität von Projekten, zeigt sich auch die Generationenkluft deutlicher.

Viele ältere MitarbeiterInnen sind der Ansicht, dass sie die Arbeit mit den neuen Technologien nicht mehr betreffen wird. Die Bereitschaft, Neues zu lernen und sich damit zu befassen, ist daher manchmal gering.

Fehlende Sprachkenntnisse kommen als erschwerender Faktor hinzu.

Vielen MitarbeiterInnen fehlen ausreichende Deutschkenntnisse. Sie in Digitalisierungstools einzuschulen, ist noch schwieriger.

Zusammenfassend wurde also eine Fülle an Faktoren benannt, die es gerade in der Baubranche erschweren, Digitalisierungstendenzen voranzutreiben und zu unterstützen. Dem gegenüber wurden aber auch die Vorteile genannt, wie zum Beispiel Modulbau-Modelle oder BMI.

Trends in der digitalen Baubranche

Über digitale Möglichkeiten wurde in dieser Branche vor allem ein Trend zur Standardisierung festgestellt. Damit kann man KundInnen ermöglichen, sich Bauvorhaben digital selbst zusammenstellen. Auch Modulbau-Modelle nach dem Plug and Play-Prinzip, bei dem Teile des Gebäudes verbaut und kombiniert werden können, sind in Entwicklung. Die Idee ist, sie über Generationen nutzen zu können – ziehen die Kinder aus, können sie sich einen Teil des Hauses mitnehmen. Der Trend zur Kosteneffizienz bzw. Kostendruck fördert die Entwicklung in Richtung Digitalisierung und Standardisierung.

Ein weiteres Thema ist BIM. Dabei handelt es sich um Building Information Modeling (kurz: BIM; deutsch: Bauwerksdatenmodellierung) und beschreibt eine Methode der vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken über digitale Software. Dabei werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst.

BMI-Kenntnisse ist auch ein großes Thema in der Ausbildung und werden mittlerweile von vielen Unternehmen bei der Einstellung von neuen MitarbeiterInnen verlangt. Teilweise sind die Systeme aber noch unausgereift und es fehlen Schnittstellen für eine umfassende Ausbildung und spätere Anwendung.

Fachkräftemangel verhindert Weiterbildung

Ein spürbarer Fachkräftemangel wurde ebenfalls angesprochen. Dieser wird unter anderem in der Weiterbildung relevant, da es zwar genügend Ressourcen zur Weiterbildung von MitarbeiterInnen zum Beispiel für digitale Tools gibt, das Personal aber einfach nicht auf der Baustelle entbehrt werden kann. Dadurch muss auf vorhandene Potenziale oft schon ganz zu Beginn verzichtet werden und Digitalisierungsvorhaben werden vernachlässigt. Bei jüngeren MitarbeiterInnen ist das Engagement, sich damit auch in der Freizeit zu befassen, zwar da, aber dies könne nicht die letzte und beste Lösung sein.

In der Aus-und Weiterbildung wurde auch die Wichtigkeit von Mundpropaganda betont. Wenn ein neues Tool für KollegInnen gut funktioniert, sichtbare Erleichterungen auftreten, benachbarte Bereiche sinnvoll damit arbeiten, dann können es sich auch jene besser vorstellen, die vielleicht anfangs skeptisch waren. Das bedeutet, man sucht sich intern Leute, die offen sind und mitmachen möchten und so können sich positive Erfahrungen besser innerhalb der Kollegenschaft verbreiten. Das klappt meist viel besser als Druck von außen in Form von auferlegten Schulungen in Großgruppen.

Fazit

Die großen Hauptthemen, die wir auch in den anderen Branchen identifizieren konnten, fanden sich auch bei diesem Termin, wie Aus- und Weiterbildung, Kommunikation, Digitale Anwendungen und Gefahren und Auswirkung der Digitalisierung auf die MitarbeiterInnen. Diese Bereiche werden nun im Detail näher angeschaut und zu konkreten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen umgearbeitet. Dazu aber dann mehr im Abschlussbericht, den ihr im November 2019 hier am Blog finden werdet.

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